PRAY FOR BERLIN

Nein, ich hätte niemals gedacht oder mir gewünscht, diese Worte in meine Tastatur zu klimpern.

New York, Nizza, Paris,Istanbul, Brüssel – bei jedem einzelnen Terrorakt hat es mich eiskalt geschüttelt: Mitgefühl, Betroffenheit, Wut, Trauer, Zwischenblutungen UND die grosse Angstfrage- wann ist unsere Hauptstadt fällig? Welche Veranstaltung könnte es treffen? Wo bin ich noch sicher? Ich habe ständig versucht, den Gedanken, dass in unserem geliebten Berlin ein Anschlag verübt werden könnte, beiseite geschoben.

Und am 19.12.2017 knallt’s! Mitten ins Herz unserer Mudderstadt- ein LKW rast vorsätzlich in die Menschenmenge auf den Weihnachtsmarkt vom Breitscheidplatz. Es sterben 12 Menschen und etliche Schwerverletzte werden mit einem Blaulichttaxi abtransportiert.

Eine halbe Stunde vor dem Anschlag habe ich mir an der Gedächtniskirche noch den Magen mit Volks- Sushi vollgepumpt, mir anschliessend unbeschwert ’ne Waffel eingepfiffen. Nur durch den Anruf einer Freundin habe ich diesen Ort spontan verlassen. Gut, ich war jetzt nicht in unmittelbarer Nähe der Kantstrasse, aber allein noch auf dem Breitscheidplatz gewesen zu sein, ist schon Mindfuck.

Und jetzt haben wir Weihnachten:

In diesen Tagen habe ich viel an die Opfer und Hinterbliebenen gedacht. Wie schmerzvoll muss der Verlust sein? Besonders oder gerade in dieser besinnlichen Phase, wo doch jeder kurz ein Ressumé vom Jahr zieht, seine Veränderungen checkt, schöne Erinnerungen von Reisen oder besondere Erlebnissen hervorkramt und neue Vorsätze für 2017 ausbaldowert. Man freut sich auf das fröhliche Zusammensein mit der Familie, auf freie Tage im Kreise von Partnern, Eltern, Kindern oder Freunden. Die Feiertage werden durchorganisiert… Und bääähm- innerhalb von Minuten wird durch das sinnlose, hirnverbrannte Handeln eines Vollgas- Idioten das Leben von so vielen Menschen zerstört. Das ist doch der blanke Wahnsinn!

Mein Herz blutet, diese ganzen Geschehnisse sind so unfassbar schockierend, und ich will nicht darüber nachdenken, dass es jeden aus meinem Umfeld hätte treffen können. Statt mit Überraschungen, Reisen oder Dinnerparties beschäftigen sich jetzt die Familien mit Beerdigungen, um ihre Liebsten zu Grabe zu tragen!

Man, man; was ist nur los in dieser Welt. Das war ein kalkulierter, eiskalt geplanter Anschlag auf unschuldige Menschen!

Ich will hier nicht über das Eiersuchen nach Täter, Ausweis, Handy rumlabern, unsere Analpolitik auskaspern oder unsere Bundesmerklerin Kanzel denunzieren. Nein, ich denke nur menschlich an die Hinterbliebenen, an die Opfer und bin wirklich betroffen und traurig.

Wir sollten all‘ unsere Lieben in dieser Zeit besonders schätzen, kleine Schrulligkeiten weglächeln, Streitereien beseitigen und die Zeit, die wir mit unseren Familien und Freunden verbringen dürfen, geniessen.
In diesem Sinne- Allen ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr, sowie ein gesundes und erfolgreiches 2017!

Love, Peace & Ich!