Ausflug nach Mitte ins hipstercoole Soho- House zum Swaghetti Yolonese- Dinner

Nach dem feuchtfröhlichen Mittagsmahl schlendere ich voll chillaxed durch den multibrandischen Store im Erdgeschoss.

Am ersten durchgestylten Gabentisch bleibe ich schon hängen: Kosmetik! Dafür kann man mich kontinuierlich begeistern. Fein sortiert liegen da Cremes, Öle, Zahnbürsten und halt so Bad- Krimskrams aus dem nichtdeutschen Ausland, um den Körper immer fein zu durchzupampern. Ein bärtiger Lollilutscher im typisch gestreiften Sweater erklärt dazu ausführlich, wie einzigartig die Produkte vom anderen Stern sind.

Das erste Töpfchen in meinen Händen verspricht blendend weisse Scheckheftzähne, entfernt Plaque und beinhaltet “Organic Peppermint, Coconut Oil, Lauric Acid  and Australian Lemon myrtle“.  Aha, sehr spannende und aufregende Zutaten und bestens angepriesen- muss ich haben.

Die zweite Errungenschaft ist Kokosoil – raffiniert in einen hausbackenen Marmeladentopf gepresst. Viel gelesen und gehört vom Hautverbesserer, habe ich ähnliches im Internet schon 100x gesucht, aber irgendwie war die Preislage von 5- 10 Euro nicht so mein Herzbeschleuniger. Bisschen werbelyrisch will ich verarscht werden, dafür zahle ich gern 20 Euro mehr.

Whoop, whoop landet auch die passende Zahnbürste, in einem fröhlichen Schwarzton, für 8 Euro noch in meinem Warenkorb.

Ritsch- Ratsch- 75,00 Euro für Zahnpaste und Oil, welche in jedem gewöhnlichen Schmiermarkt nicht mal die Hälfte kosten würden. Aber ich bin so cool, Peter Zwegat hat Schulden bei mir.

Nun zu den Ergebnissendas Negative zuerst und kurz zusammengeschludert:

Zahntopf aufgeregt aufgerissen, läuft mir erstmal schwarzer Scheich- Schnaps ins Wachbecken und klebt am Marmor wie Patex.  Beim Zähneputzen muss ich ungelogen fast kotzen. Schmierig, ölig und regelrecht widerlich verteilt sich das Zeug in meinem Mund, ich bekomme Würgereize. Nachspülen mit Mundwasser hilft auch nicht. Den ekelhaften Geschmack bekomme ich, trotz ‚Organic Peppermint‘, den ganzen Nachmittag nicht mehr aus meinem Kopf.

Die anschliessende Reinigung der Waschschüssel gleicht ’nem Frühjahrsputz. Das jeden Morgen und Abend? Neee, danke!

Fazit: Nie wieder verwandele ich Waschbecken & Mundhöhle in eine verdreckte Ölstation.

Naja, dann zum nächsten Topfaufschlagen: Coconut- Oil von Sister & Co

…produziert in einer kleinen organischen Farm in Sri Lanka. Man benutzt es als Make-up Remover, Moisturiser, Nacht- und Augenpflege, Hand- und Haartreatment, Badezusatz usw. Wahrscheinlich kann man damit auch  Bungee springen. Die Liste ist endlos.

Das festgepresste Oil riecht phantastisch, lässt sich super einmassieren und zieht sehr schnell in die Haut ein.

Nachts trage ich es ab und zu im Gesicht als Pflege auf, allerdings hat auch meine Katze Geschmack daran gefunden und hüpft mir ständig ins Gesicht.

Mit Wattepads und dem Oil befreie ich mich von meiner Spachtelmasse nach dem Ausgehen, beim Fönen knete ich eine kleine Menge in die Haarspitzen, nach der Laserteraphie benutze ich das Produkt statt Bepanthensalbe und bin endbegeistert.

Man sollte aber erwähnen, dass das Öl für ein Höchstmass an Effekt auf die feuchte Haut aufgetragen wird.

Der Kauf war also Fifty- Fifty, erfolgreich oder -los.

Der schwarze ‚Whitening‘ Pott wandert sofort im Mülleimer, die Designerleistenbürste benutze ich zum Rillenausschrubben, das Oil werde ich auf jeden Fall nachordern.

Gut, für die rausgeschmissenen 40 Euro Zahnpflege war der  0-Dioptrin-Hipster wenigstens sehr bemüht und freundlich.