Invest in your skin. It is going to represent you for a very long time. #lindentyler

Als Facelooker und Instastalker belästigt mich täglich der gesponsorte Beitrag “Nadelroller von Áme Pure“. Offensichtlich wissen die schon, wo sie ihre Werbung platzieren, denn es hat nur einige Stunden gedauert, und die Opferikone hat das Ding auf ihre Shoppingliste gesetzt und gekauft.

Versprochen wird ganz grosses Tennis: Erfahrene Keksperten beschreien sensationelle Hautveränderungen, strahlenden Teint, geschlossene Poren – kurz; eine Haut so glatt; dagegen ist ein Aal ein Pelztier. Gut, als Beiwerk zum Vampire Lifting & zur Radiofrequenz gebe ich mir mal das lyrisch behashtaggte Hometreatment.

Nach 2 Tagen erreicht mich meine Bestellung für 89,00 Euro. Schon beim Auspacken beschleicht mich ein komisches Gefühl: Der Nadeltraktor ist eingewindelt in Papierstroh, die Verpackung halb zerfetzt- als wäre das Päckchen schon durch 10 Schneckenhäuser gewandert. Rechnung/ Lieferschein? Nö!

Erstmal Luft ablassen und per Elektrobrief den Mehrwertsteuerbefund anfordern. Der kommt dann auch innerhalb von Minuten; ich könnte ja so ein Beutelschneider vom Finanzamt sein.

Nach dem Beseitigen der ganzen Fusseln hab ich nun endlich den hochgepriesenen Ferrariroller, das Gel und irgendein Desinfizierungszeugs in der Hand. Hmmmm, und nun? Erst rollern, dann galant gelieren? Oder erst desinfizieren, dann das Gel einradeln? Wie lange? Wie oft? Wie tief? Zu riesigen Nebenwirkungen fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers, oder wie? Von einer Gebrauchsanweisung wurde nämlich auch abgesehen.

Gut, die nächste Elektropost flattert mit der höflichen Frage, wo und wie ich das Ding nun anwende aus dem Sender. Wieder kommt kundenorientiert innerhalb der nächsten Minuten eine Email mit PDF Anhang.

Und die sah dann so aus- von einem blinden Autor unter Wasser mit dem Fuße geschrieben. Alter, wer soll das denn lesen?! Der Anhang bringt soviel wie ein Stummfilm für Blinde und verdient den Stevie-Wonder-Designpreis. Haben die auf Comics geschlafen???

Ok, jetzt werde ich kreativ und fotografiere mit meinem Handy einige Passagen ab, um diese zu vergrössern. Die Beleidigungsandienung lese ich 1x quer, um zu verstehen, in welcher Rangordnung die Einzelteile nun zusammenpassen.

Zur Praxis: man rollert das Nadelding so ca. 5 Minuten quer über’s Gesicht und verspürt dabei ein unangenehmes Stechen; wie beim ersten Mal. Wie tief oder fest ich pflügen darf, weiss ich natürlich nicht. Steht auch nicht im Kleingedruckten! Die Haut rötet sich blitzartig und der Spiegel begrüsst mich nach der Roderei mit einem fröhlichen “Hallo Pizza!“

Meine Haut sieht aus wie wundgewischt und gleicht eher einer Mafiatorte, statt einem Babypopo.

Vielleicht hilft ja die mitgelieferte Pomade, meine Haut nach dem Desaster zu beruhigen. Neee, auch nicht. Gel klebt unangenehm, riecht nach Luft im Glas und schleust null komma minus 5. Feuchtigkeit in die Pelle.

Man soll die ganze Prozedur eine Woche lang durchführen, jeden zweiten Tag. Hab‘ ich natürlich wie so ’ne Aushilfsamöbe geduldig durchgezogen, ohne einen Hauch von sichtbaren Erfolgen zu verzeichnen.

Das ganze Treatment hat einfach nur genervt. Ausser Rötungen, unruhige Haut und Spesen, nichts gewesen.

Fazit: Schmeiß dein Geld in den Gulli, dann hörst du es wenigstens noch klimpern!

Ich habe unnötig Kohle ausgegeben, mir ’ne Frikadelle ins Auge gelesen und meine Haut strapaziert. Da sehne ich mich wieder nach meinem professionellen Vampire Lifting oder der schmusigen Radiofrequenz.

Also, meine Lieben- Hände weg von der Hausarbeit mit dem Nadelmonster.